In diesem Jahr hat Lars Szymanski bei proviel in Wuppertal seinen Abschluss als Fachlagerist geschafft. Dahinter liegen intensives Lernen, große Aufregung und die Unterstützung eines Ausbilders, der fest an ihn geglaubt hat.
Mit dem Gabelstapler fährt Lars Szymanski durch das Lager von proviel. Er holt Paletten aus den Regalen, kontrolliert Waren und stimmt sich mit seinen Kollegen ab. Die Abläufe kennt er seit vielen Jahren. Doch inzwischen hat sich etwas Entscheidendes verändert: Lars Szymanski ist nicht mehr nur erfahrener Lagerarbeiter. Er hat jetzt auch einen anerkannten Berufsabschluss als Fachlagerist.
„Wenn man die Prüfung schafft, fühlt man sich wie ein anderer Mensch“, sagt er stolz. Für den 41-Jährigen ist der Abschluss ein großer persönlicher Erfolg. Und einer, für den er hart gearbeitet hat.
Lernen nach vielen Jahren Berufserfahrung
Schon früher hatte Lars Szymanski versucht, beruflich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Eine Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau brach er ab. Aufgrund seiner Erkrankungen und des fehlenden Berufsabschlusses gelang ihm der berufliche Einstieg nicht dauerhaft.
Bei proviel arbeitete er viele Jahre im Lager, bevor sich eine neue Chance eröffnete: eine Ausbildung zum Fachlageristen in Teilqualifizierungen. Dabei wird der anerkannte Ausbildungsberuf in fünf einzelne Module aufgeteilt. Die Beschäftigten können diese schrittweise absolvieren und ihre Kenntnisse durch Prüfungen nachweisen. Lars Szymanski entschied sich dafür. Er wollte endlich einen Abschluss in der Tasche haben – und damit neue berufliche Möglichkeiten gewinnen.
Leicht war der Weg nicht. Neben seiner Arbeit lernte er an vielen Nachmittagen weiter. Besonders die theoretischen Aufgaben und Mathematik verlangten ihm einiges ab. Das praktische Wissen fiel ihm leichter. Schließlich gehörten viele der Prüfungsinhalte längst zu seinem Arbeitsalltag.
Ein Ausbilder, der an ihn glaubte
Eine entscheidende Rolle spielte Giuseppe Di Prima, Abteilungsleiter Lager und Logistik bei proviel. Mehrmals in der Woche übte er mit Lars Szymanski und bereitete ihn intensiv auf die Prüfungen vor. Ursprünglich hatte Lars gemeinsam mit fünf Kollegen die Qualifizierung begonnen. Nach und nach schieden die anderen aus unterschiedlichen Gründen aus. Er selbst blieb dabei.
Die theoretische Prüfung dauerte drei Stunden. In der praktischen Prüfung musste er unter anderem Waren kontrollieren, Fehler erkennen und den Umgang mit Flurförderzeugen unter Beweis stellen. Dann stand fest: Er hatte bestanden – als erster Beschäftigter von proviel mit einem vollständigen Abschluss als Fachlagerist.
„Als ich ihm das Ergebnis mitgeteilt habe, hat er vor Freude geweint“, erinnert sich Giuseppe Di Prima. Auch für den Ausbilder war dieser Moment etwas Besonderes.
„Der Erfolg von Lars Szymanski zeigt, was möglich wird, wenn wir berufliche Bildung individuell gestalten“, sagt proviel-Geschäftsführer Christoph Nieder. „Entscheidend ist, dass wir den Menschen die Zeit und die Unterstützung geben, die sie brauchen. Ein anerkannter Berufsabschluss kann dann ein Meilenstein sein, der weit über die eigentliche Qualifizierung hinausgeht.“
Mit einem Abschluss in die Zukunft
Heute übernimmt Lars Szymanski im Lager mehr Verantwortung. Sein Ausbilder beobachtet, dass er Arbeitsabläufe selbstständiger beurteilt und Aufgaben erkennt, die erledigt werden müssen.
Langfristig möchte Lars Szymanski wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten. Sein Abschluss verbessert dafür seine Voraussetzungen.
Auch für uns als LVR ist genau dies ein wichtiges Ziel. Wir setzen uns dafür ein, dass berufliche Qualifizierungen in Werkstätten stärker an anerkannten Ausbildungsberufen ausgerichtet werden und Beschäftigte ihre Kenntnisse durch offizielle Abschlüsse nachweisen können.
„Viele Menschen in Werkstätten verfügen über wertvolle berufliche Fähigkeiten, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gebraucht werden“, erklärt Annika Offermann, Fachbereichsleiterin Eingliederungshilfe II. „Anerkannte Qualifikationen machen diese Kompetenzen sichtbar. Der Weg von Lars Szymanski zeigt, wie individuelle Unterstützung und berufliche Bildung neue Perspektiven eröffnen können.“
Lars Szymanski möchte mit seinem Erfolg auch anderen Beschäftigten Mut machen, eine Qualifizierung zu beginnen. Für ihn steht fest: Die Mühe hat sich gelohnt.
Mehr erfahren:
Im Video berichtet Lars Szymanski von seiner Ausbildung, seinen Prüfungen und der Unterstützung durch Giuseppe Di Prima.
Text, Foto, Film:
Kathleen Bayer, Referentin für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, LVR-Dezernat Soziales
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