Gastkolumne in der heutigen WZ:

Wege (zurück) ins Arbeitsleben

Kennen Sie Momente ohne Aufgabe? Nicht erholsame Urlaubstage sind gemeint, sondern ein dauerhafter Zustand, in dem Sie aufgrund der Schwere Ihrer psychischen Erkrankung nicht am Arbeitsleben teilnehmen. Tage, die richtig lang werden. Viele Menschen fühlen sich dann nicht gebraucht.

Momente wie diese waren 1986 Auslöser zur Gründung des forum e.V. und 1994 zur Gründung der „Tochter“ proviel GmbH. Unsere Mission ist es, Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit psychischer Erkrankung zu organisieren, genauso wie Training und Qualifizierung für Langzeitarbeitslose sowie die Organisation sozialer Teilhabe durch Ambulant Betreutes Wohnen und Soziotherapie. 

Als Möglichmacher und Wegbereiter für Teilhabe am Arbeitsleben haben wir uns in den letzten dreißig Jahren mit den Veränderungen des Arbeitsmarktes entwickelt und eine bunte Angebotsvielfalt mit abwechslungsreichen – teilweise zertifizierten – Qualifizierungsmöglichkeiten aufgebaut. Ob Metallverarbeitung oder Fulfillment, ob unser CAP-Supermarkt oder vielfältige (Elektro-)Montagen, ob Küche oder Industrieservice, ob Hauswirtschaft, Haustechnik oder Verwaltung, ob digitale Teilhabe im PIKSL Labor oder Logistikdienstleistung für unsere Auftraggeber – wir organisieren berufliche Teilhabe mit unterschiedlichsten Herausforderungen und Facetten für mehr als 1.000 Menschen in Wuppertal.

Gerade mit dem Ausbau unserer Qualifizierungsangebote, Erfolgen in der Ausbildung in Teilqualifizierung oder auch der Implementierung von neuen Wegen, wie der Qualifizierung zur Praxiskraft in der Kita, stellen wir unsere Mitarbeitenden und Maßnahmeteilnehmenden im Auftrag des Jobcenters Wuppertal auch vor neue Herausforderungen. 

Alle unsere Werkstattmitarbeitenden und Maßnahmeteilnehmenden bringen naturgemäß Einschränkungen und Erkrankungen mit, die es immer wieder in der Arbeitsorganisation zu berücksichtigen gilt. Gemeinsam suchen wir Lösungen, die Teilhabe ohne Überforderung und Unterforderung sowie ohne Stress möglich machen. 

Leider kommt es bei psychischen Erkrankungen auch hin und wieder vor, dass die gesundheitliche Stabilität aus dem Gleichgewicht gerät. Das kann sich auf die gesamten Lebensumstände auswirken. Je nach Krankheitsbild kann der Übergang zwischen „Ich fühle mich wohl“ und Krise schnell passieren. Dann ist neben unseren Schutzmechanismen im Haus ein schneller und direkter Zugriff auf fachärztliche Hilfe entscheidend. Denn die schlechten Phasen führen oft zu Brüchen, die vieles, was sich Einzelne mit viel Geduld und Kraft aufgebaut haben, schnell wieder einreißen. Umso unmittelbarer fachärztliche Hilfe greift, umso geringer sind die negativen Folgewirkungen durch krisenhafte Phasen, umso kürzer Behandlungs- und Therapiezeiten, umso geringer die Auswirkungen auf das Sozial- und Berufsleben. 

Unser Aufruf geht von daher an alle Fachärzte für Psychiatrie und Neurologie: Wer hat zeitliche Kapazitäten und kann unseren Werkstattmitarbeitenden Termine anbieten? Wer kann helfen, berufliche Teilhabe durch fachliche Begleitung auch in schwierigen Zeiten zu ermöglichen? Gerne melden Sie sich bei uns und wir organisieren Wege.

Wir treten an, um auch in Zukunft abwechslungsreiche Teilhabe am Arbeitsleben und berufsfeldnahe Qualifizierungen zu ermöglichen – auch mit vielfältigen Übergängen auf den Ersten Arbeitsmarkt dank unserer Jobcoaches aus dem Inklusionsteams. 

Um in schwierigeren und „knapperen“ Zeiten erfolgreich zu sein, bedarf es guter und vertrauensvoller Partnerschaften innerhalb des sozialen/gesundheitlichen Systems. Jedes Miteinander ist besser als ein Gegeneinander. Wir freuen uns weiterhin auf vielfältiges Zusammenarbeiten zum Wohle der Menschen unserer Stadt.

Unser Programm 26/27 steht.

proviel = pro Vielfalt

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