Knapp bei Stein

forum/proviel zeigen beim Aktionstag „Wuppertal barrierefrei", wie eng das Leben mit Grundsicherung ist, und wie Teilhabe trotzdem gelingt.

Und plötzlich ist kein Glasstein mehr übrig. Eindrucksvoll erlebten Besucher am Stand von proviel/forum beim Aktionstag „Wuppertal barrierefrei“, wie schwierig das Leben mit Grundsicherung ist. Ein Glasstein stand für je zehn Euro. In Kästchen waren 56 davon für eine alleinlebende Person abgezählt. „Jetzt müssen Sie Steine für Essen, Telefon und Hygieneartikel beiseite legen“, erklärte Albrecht vom Organisationsteam. Dann mussten die Gäste Aktionskarten ziehen. „Deine Waschmaschine ist kaputt und muss repariert werden. Lege dafür vier Glassteine weg“, stand etwa darauf. Und so wurde schnell klar, vor welchen Herausforderungen Menschen stehen, die von Grundsicherung leben.

„Es wird immer schwieriger – die Preise steigen, aber das Einkommen für Menschen
mit Behinderung, die von Grundsicherung leben, steigt nicht zeitnah mit“, erzählte Karl-Heinz Politschke, Vorsitzender des Werkstattrats. Regelmäßig kommen Kolleginnen und Kollegen zu ihm, die akute Geldprobleme haben. „Das ist das Hauptthema. Viele haben Angst, dass sie nicht zurecht kommen.“ Und die Anrechnung des Verdiensts in der Werkstatt auf die Grundsicherung kommt als frustrierender Moment hinzu.

Gelächter hingegen gab es auf der anderen Seite des proviel-Stands, wo sich das PIKSL Labor präsentierte. Dort konnten Besucher per KI Fotos von sich im Bauhaus-, Pop Art- oder Mixed Media-Stil machen lassen. Amüsiert betrachteten sie die Ergebnisse. „Wir machen das, um den Leuten zu zeigen, was mit KI alles möglich ist“, sagte Sven. Mit einem kleinen Foto-Drucker konnte das Team die Fotos sofort ausdrucken und den Gästen als schönes Andenken an das gemeinsame „Experiment“ mitgeben.

Von den Möglichkeiten bei proviel beeindruckt zeigte sich Sozialdezernentin Annette Berg: „Es ist super, dass die Mitarbeitenden aus dem PIKSL Labor in die Gesellschaft hinausgehen und zur Barrierefreiheit beitragen, indem sie alle an der digitalen Welt teilhaben lassen.“ Interessiert begutachtete sie die KI-Fotos am Stand.

Starke Nerven bewies die proviel-Band „provielfalt de luxe“. Auch wenn einige Mitglieder vorher nervös waren und sich Vorfreude und Anspannung mischten, so standen beim Auftritt alle souverän auf der Bühne. Geduldig erledigten sie den Soundcheck für jedes einzelne Mikrofon. Dann ging es los. Eine kleine Melodie auf dem Glockenspiel, Gitarre, Bass, dann Schlagwerk und Gesang bei „Creep“ von Radiohead. Das Publikum war sofort dabei, spendete begeisterten Beifall. Hits wie „Valerie“ und „Seven Nation Army“ folgten.

Bei gutem Wetter führten die provieler bis in den Nachmittag hinein viele Gespräche, erklärten ihre Anliegen, amüsierten und zeigten, wie bereichernd Teilhabe für alle Seiten ist.

Digitale „Bitfaßsäulen“ zeigen an, was am Arrenberg los ist

Das PIKSL-Projekt am Arrenberg zur digitalen Teilhabe hat eine nächste Stufe erreicht: Anlässlich des Restaurant Days am 9. Mai fällt der Startschuss für die Bitfaßsäulen, die ab dato Neuigkeiten im Viertel verbreiten werden. Begleitet wird die Neueinführung vom PIKSL Team, das der Nachbarschaft die digitalen Anzeigen und ihre neue Funktionsweise persönlich vorstellen wird.

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