Mit der Unterzeichnung von Kooperationsvereinbarungen haben wir, die Lebenshilfe in Solingen sowie die Troxler Werkstätten mit der Bergischen IHK den Grundstein für ein regionales Netzwerk zur beruflichen Inklusion gelegt. Ziel der Zusammenarbeit ist es, Menschen mit Beeinträchtigung durch Qualifizierungen zur „Praxiskraft“ auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vorzubereiten und ihre Chancen dort zu erhöhen.
Die Initiative ist Teil des Projekts „netZ“, in dessen Rahmen die Industrie- und Handelskammern in NRW gemeinsam mit den Trägern einheitliche Qualitätsstandards für die neuen Praxiskurse entwickelt haben. Die Bergische IHK begleitet die Qualifizierungen qualitätssichernd und dokumentiert die erworbenen Kompetenzen mit einer IHK-Teilnahmebescheinigung. „Es gibt viele Menschen mit Behinderung, die arbeiten möchten und über wertvolle Fähigkeiten verfügen. Häufig fehlt ihnen jedoch ein niedrigschwelliger Einstieg in eine passgenaue Qualifizierung. Gleichzeitig gab es bislang keinen verlässlichen Nachweis, der Unternehmen zeigt, welche Kompetenzen diese Menschen tatsächlich mitbringen“, so Carmen Bartl-Zorn, Geschäftsführerin Aus- und Weiterbildung der Bergischen IHK.
Die neuen Praxiskurse schließen genau diese Lücke. Sie werden in den Werkstätten durchgeführt und orientieren sich an den Anforderungen der betrieblichen Praxis. Nach erfolgreichem Abschluss eines lehrgangsinternen Testverfahrens und einer regelmäßigen Teilnahme erhalten die Absolventen eine IHK-Bescheinigung, die ihre erworbenen Kompetenzen nachvollziehbar dokumentiert.
Bereits nach den Sommerferien starten bei der proviel GmbH die ersten beiden Kurse „Praxiskraft Büro“ und „Praxiskraft Montagetechnik“. Beide Qualifizierungen dauern zwölf Monate und umfassen elf beziehungsweise zwölf Module. Die Praxiskurse sind bewusst als erster Schritt konzipiert. Je nach persönlichen Voraussetzungen und individueller Entwicklung können sich daran weitere Qualifizierungen anschließen – beispielsweise eine Ausbildung zum Fachpraktiker oder Teilqualifikationen bis hin zu einem anerkannten Berufsabschluss.
Die Initiative bietet auch den Unternehmen einen echten Mehrwert. Sie erhalten Zugang zu motivierten Menschen mit Behinderung, deren Kompetenzen erstmals nach einheitlichen Qualitätsstandards dokumentiert und nachvollziehbar bescheinigt werden. Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten, Praktika und Beschäftigungsverhältnisse zu entwickeln und dem Fachkräftemangel mit bislang ungenutzten Potenzialen zu begegnen. „Inklusion ist nicht nur eine gesellschaftliche Verantwortung, sondern auch eine wirtschaftliche Chance. Mit den Praxiskursen machen wir Kompetenzen sichtbar, schaffen Vertrauen und bringen Menschen und Unternehmen zusammen“, betont Bartl-Zorn. Radhia Chedad, Werkstätten der Lebenshilfe Solingen, ist sicher: „Durch die neuen Praxiskurse eröffnen wir unseren Menschen mit Beeinträchtigung neue Perspektiven; sie erfahren Bildung, Qualifizierung und Anerkennung in hohem Maße.“
Christoph Nieder, proviel GmbH, ergänzt: „Zehn Jahre gemeinsamer Weg rund um die ersten großen Erfolge im Rahmen der Teilqualifizierungen in den Bereichen Lager, Verkauf und Metall haben gezeigt, wie wertvoll die Kooperation von IHK und Werkstätten ist. Jetzt freuen wir uns sehr, mit den neuen Praxiskursen die Möglichkeiten deutlich zu erweitern und neue Erfolgsgeschichten schreiben zu können.“





