Früher hatte Anja Rehders Vorurteile gegenüber Menschen im Büro. „Die machen ja nichts“, fand sie, als sie selbst den ganzen Tag an Maschinen stand. Dann probierte sie im Rahmen der beruflichen Reha bei proviel das Modul Verwaltung aus und stellte fest: Auch die Tätigkeit am Schreibtisch ist Arbeit, und sie macht Spaß. „Die Arbeit am Empfang und im Servicebüro bei proviel ist es sehr abwechslungsreich“, findet sie.
Morgens kommt sie meist um 6.30 Uhr, leert den Briefkasten und verteilt die Post im Haus. Sie schaut nach, welche Anleiter im Dienst sind, hört den Anrufbeantworter ab und leitet Krankmeldungen an die zuständige Abteilung weiter. Am Empfang begrüßt sie externe Besucher, kündigt sie bei ihren Gesprächspartnern an und gibt Besucherausweise aus. Auch Anrufe mit den unterschiedlichsten Anliegen nimmt sie an.
„Enorme Entwicklung“
Später am Tag erledigt sie in Absprache mit den Kolleginnen weitere Aufgaben: Sie archiviert Unterweisungen, macht Fotos von neuen Mitarbeitenden, legt Akten an und gibt Zugangschips aus. Außerdem bearbeitet und druckt sie unterschiedliche Terminkarten, Aushänge und Ähnliches für die Abteilungen oder den Sozialdienst aus, schneidet sie zu und laminiert sie, wenn nötig.
Wichtig ist Anja Rehders die Rückendeckung ihres Teams und die Gewissheit, jederzeit Probleme mit ihren Anleiterinnen besprechen zu können. „Am Anfang ist es mir schwergefallen, nachzufragen, wenn ich etwas nicht verstanden habe“, erzählt die 57-Jährige. Inzwischen weiß sie, dass das kein Problem ist. „Mittlerweile bin ich ein bisschen stolz, dass ich die Arbeit hier hinbekomme. Ich habe eine enorme Entwicklung bei proviel gemacht durch die Unterstützung der Anleiterinnen.“ Zwar gebe es immer noch Momente, in denen ihr alles zu viel wird – aber sie hat immer besser gelernt, damit umzugehen und dann eine kleine Pause einzulegen.
Geschützter Rahmen wichtig
Vor zwei Jahren nahm Anja Rehders am Projekt „Schichtwechsel“ mit Azubis der Wuppertaler Stadtverwaltung teil. Dabei zeigten die provieler den Azubis das Haus, und die Azubis nahmen die provieler mit in die Stadtverwaltung, etwa ins Callcenter, einem intensiven Job. Diese tolle Erfahrung bestärkte sie in ihrem Entschluss, ein Außenpraktikum bei TalTextil zu versuchen. Drei Monate war sie dort beschäftigt. „Das ist eine super Firma, aber die Tätigkeit hat mich überfordert“, sagt Anja Rehders. Sie merkte, dass sie den geschützten Rahmen bei proviel braucht. Seit sie wieder im Servicebüro bei proviel arbeitet, geht es ihr gesundheitlich wieder besser.
Anja Rehders schätzt das kleine Team aus vier Mitarbeitenden und zwei Anleiterinnen in der Abteilung Servicebüro/Empfang. „Hier fühle ich mich sehr wohl.“ Durch viele Gespräche mit den Anleiterinnen, aber auch Kurse wie Selbstbehauptung oder gewaltfreie Kommunikation fühlt sich Anja Rehders nun stabiler. „Ich traue mich jetzt, etwas zu sagen, wenn mir etwas nicht passt.“ So kann sie fordernde Situationen besser managen. „Frau Rehders hat sich toll entwickelt, geht oft über ihre Grenzen heraus und hat deutlich an Selbstbewusstsein gewonnen“, freut sich auch Anleiterin Franziska Lichtenberg.





