Eckbusch. „Ein Lebensmittelpunkt“, so charakterisiert man am treffendsten den Cap-Markt, der nun seit einem Jahrzehnt für die Menschen im Quartier Eckbusch weit mehr ist als ein Nahversorger mit einem Warenangebot von 10 103 Produkten. Gerade ältere Bürgerinnen und Bürger erreichen den Ort fußläufig, der mit integrierter Bäckerei auch ein Treffpunkt ist.
„Integration“ und „Inklusion“ sind übrigens die passenden Stichwörter, denn der Cap-Markt hat seinen Wortteil daher, dass Menschen mit Handicap dort auf den knapp 400 Quadratmetern arbeiten und durch den Betreiber, die Proviel GmbH, auf den ersten Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Das bezieht sich nicht nur auf den reinen Verkauf, denn die knapp 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind gern bereit, die Kundschaft bei ihrem Einkauf zu begleiten und den Menschen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
Neue Möglichkeiten der beruflichen Qualifikation
Was Ausbildung und Vorbereitung angeht, haben sich im vergangenen Jahrzehnt auch neue Bereiche eröffnet, die weitere Qualifikationen ermöglichen. Vorzugsweise bei der Berufsbezeichnung „Verkäufer“, für die auch eine Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer abgelegt werden kann. „Fünf aus unserem Mitarbeiterstab haben das im vorigen Jahr mit Erfolg geschafft“, heißt es aus der Geschäftsleitung. Dabei zählt es auch, den Blick auf die Warenbestände und das Bestellverfahren zu lernen. „Was die Warenbestände angeht, so legen wir hier großen Wert auf regionale Produkte, die natürlich entsprechend frisch angeliefert und angeboten werden“, ist ein weiteres Prinzip der von Edeka zur Verfügung gestellten Ware im Supermarkt.
„Ausgesprochen freundlich ist das Personal hier“, hört man immer wieder, und Brigitte Esser, die seit 35 Jahren am Eckbusch wohnt, erinnert sich noch an die Zeit, bevor der Cap-Markt den Stadtteil bereicherte. „So etwas hat uns gefehlt. Der Cap-Markt ist ein Segen für das Quartier“, lobt sie die Einrichtung in höchsten Tönen. Dazu ließ man sich am Dienstag unterm Baldachin vor dem Eingang die Grillwurst und die angebotenen Häppchen schmecken. Wer wollte, konnte sich am „historischen Datum“ auf einer Tafel verewigen, sich ins Gästebuch eintragen und am „Entchen-Angeln“ beteiligen. Natürlich wurde auch eingekauft, und natürlich ist der Zugang barrierefrei und die Gänge sind breit gestaltet, sodass man sich auch mit Rollstuhl oder Rollator nicht in die Quere kommt.
„Die Marktleitung muss einen siebten Sinn dafür haben, was die Anwohnerinnen und Anwohner gerade brauchen. Was man sucht, ist vorhanden“, so eine andere Kundin. „Und wenn wirklich einmal etwas nicht vorhanden ist, dann sagt man das einfach, und kurz darauf ist es im Angebot.“ Genauso läuft es bei „Lebensmittel auf Rädern“, dem „Cap-Markt-Mobil“, das verschiedene Senioren-Einrichtungen regelmäßig ansteuert: Auch dort hat das Verkaufspersonal ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der Kundschaft.
Aber nicht nur bei der Kundschaft ist die Zufriedenheit zu spüren. Man ist auch sehr daran interessiert, dass sich die Menschen, die hier in der „ausgelagerten Werkstatt von Proviel“, wie der Cap-Markt bezeichnet werden kann, wohlfühlen. „Dazu führen wir auch regelmäßig Befragungen unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch“, versichern Silke Dahlmann und Katrin Drechsler, die momentan die im Urlaub befindliche Leiterin Anna Margagliotti vertreten. „Es ist wichtig, den Menschen an ihrem Arbeitsplatz Sicherheit und Motivation zu bescheren.“
Aber so ganz heil ist die Welt oben am Ringelbusch dann doch nicht. Der Busverkehr ist Segen und Fluch, fährt der Bus doch bis kurz vor den Cap-Markt, legt hier aber auch eine halbstündige Pause ein. Die schmale Zufahrt ist dann häufig verstopft, es kommt, auch wegen parkender Fahrzeuge, zu Behinderungen. Bezirksvertreterin Cornelia Krieger (Grüne) kritisiert das: „Wir hoffen, durch Gespräche mit den WSW zu einer besseren Lösung zu kommen.“
Von Friedemann Bräuer




